Heute morgen wird wahrscheinlich jeder gemerkt haben, dass fleissige Promotiongirls wieder Gratisausgaben der Berliner Morgenpost verteilen. Is ja auch nett. Wuerde die Zeitung sonst nie lesen. Viel interessanter ist aber dass sich auf dem Cover der heutigen Ausgabe das Foto eines riesigen, von Nike gesponserten, Graffiti befindet (hier gibts das Bild oder im Folgetext). Die Idee leere Brandwaende fuer Kunst zu nutzen ist nicht neu und wurde erfolgreich von den Backjumps Live Issue Initiatoren letzes Jahr wieder eingefuehrt.
Aber dass man so leicht als Multinational Corporate eine Titelseite in einer Haupstadtzeitung fuer umsonst bekommt, haette ich nicht gedacht. Super Guerilla Move von Nike auf jeden Fall. Vielleicht finanziert Nike sogar die Gratisverteilaktion, dafuer dass Sie aufs Cover durften. Man weiss es nicht. Und das und gerade weil die WM kurz bevor steht und Adidas und andere exklusive WM 2006 Sponsoren ca. 20 Millionen Euro an die FIFA fuer Exklusivwerberechte zahlen. Im Umkreis von einem Kilometer um das Berliner Olympiastadion darf kein Nikezeichen auftauchen. Hostessen und Partner der WM duerfen nur in Adidas auflaufen. Zufahrtswege muessen von sponsorenfremden Zeichen befreit werden. Hatten wir so was nicht schon mal im Olympiastadion? Gab’s da nicht auch immer so ein omnipresentes Logo zu sehen? Finde grad keins. Google is zensiert.
Und wo ich gerade dabei bin. Wieso muss man eigentlich jegliche bauliche Massnahme oder Veraenderung der Aussenfassade in Deutschland vom Baumamt genehmigen lassen? Nur wenn man genug Geld hat die ganze Fassade mit Werbung fuer Jahre abzudecken anscheinend nicht. Seit einem Jahr geht das jetzt so in der Rosenthalerstrasse. Aber meistens sieht man nur das selbstentlarvende Kleingdruckte so gross, dass man es endlich versteht – weil ein 1000 qm Plakat einfach niemals auf 5 Meter Entfernung funktionieren kann. Siehe auch der Telekom’s eigener pinker Alexfunkturm und Riesenplakate der DB am neuen Hauptbahnhof. Visuelle Umweltschmutzung.
Den Graffiti-Detektor von vis-a-pix habe ich uebrigens auch aus der selben Ausgabe der MoPo. Unter der Rubrik “Gute Nachricht” wurde dort verbreitet: “Spezielle Algorithmen analysieren Bewegungen von Menschen und unterscheiden normale von ungewöhnlichen Verhaltensweisen. “Bewegen Passanten auf dem Überwachungsmonitor auffällig die Arme oder werden sie scheinbar immer größer, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß es sich um Graffiti-Sprayer handelt”, so Firmengründer Dr. Ivo Keller. “In diesem Fall benachrichtigt unsere Software automatisch die Sicherheitszentrale.” Wow. Schon mal jemand winkend aufm Bahnsteig verabschiedet oder begruesst? Und fuer sowas bekommt man dann auch gleich nen Award.
